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Massivbauhaus: Solide verarbeitet, kosteneffizient und wertstabil

von Marc Hettenberger
massivbauhaus

Massivbauweise ist ein Begriff, der heute überwiegend ein wenig abgewandelt verwendet wird. Seine ursprüngliche Bedeutung bezog sich auf das Tragwerk eines Gebäudes. Mit Massivbauweise wurden dabei Bauformen bezeichnet, bei denen gemauerte Wände – insbesondere die äußeren – die Last des Gebäudes und des Daches bis auf die Fundamente abtragen.

Ausgedrückt werden sollte damit der Gegensatz zu Bauwerken in Ständer- oder Skelettbauweise. Ständerwerk kennt man von Fachwerkhäusern, die aus einer Holzkunstruktion bestehen, deren Gefache allenfalls mit Mauerwerk ausgefüllt werden. Skelettbauweise sieht man häufig bei typischen amerikanischen Wolkenkratzern, die von innen mittels einer Stahlbetonkonstruktion gestützt werden. Die Außenwände spielen hier für die Statik keine Rolle und können deswegen beliebig verglast werden. In südlichen Urlaubsländern ist die Errichtung von Wohn- und auch Einfamilienhäusern in Skelettbauweise durchaus üblich.

Das Massivbauhaus: Grundlegende Informationen

Die aktuelle Verwendung des Begriffs entspricht dem Ursprung nicht mehr zur Gänze. In Anlehnung an die Notwendigkeit gemauerter Wände bezeichnet „Massivbauweise“ heute eher Bauwerke, die vor Ort aus kleinsten Einzelteilen errichtet werden, um den Gegensatz zu Bauten in Fertigteilbauweise auszudrücken. Damit bleibt der frühere Sinn teilweise enthalten. Denn eine Wand eines Fertighauses, die aus mehreren Lagen Sperr- und Dämmmaterial in einem Holzrahmen besteht, wird immer noch als weniger massiv wahrgenommen als eine aus Stein gemauerte Wand oder eine aus Stahlbeton.

Das bedeutet, wenn von Massivbauweise die Rede ist, ist nicht notwendigerweise ein Bauwerk gemeint, dessen Außenwände keine statische Relevanz haben.

Die ständige Weiterentwicklung von Baumaterialien und -techniken führt außerdem zu interessanten Mischformen. So kann z. B. ein massiv gemauertes Haus durchaus ein Dach aus vorgefertigten Modulen erhalten. Ein Holzhaus aus Blockbohlen, die passend zugerichtet auf die Baustelle geliefert werden, kann getrost als „massiv“ bezeichnet werden, auch wenn die Bohlen im Grunde auch Fertigteile sind.

Ein klassisch gemauertes Massivbauhaus

Ein Haus mit massiven Mauerwerkswänden errichten zu lassen, kann verschiedene Gründe haben. Die Gestaltung kann individueller ausfallen, denn die Höhe und Länge von Wandelementen muss nicht in das Raster einer Fabrik, in der Fertigteilwände produziert werden, passen. Wände, Fenster, Türen und Durchgänge können nahezu beliebig nach Wunsch platziert werden. Das gilt auch für Schlitze und Durchbrüche, die bei Fertigbauteilen nicht einfach eingefügt werden können. Soll nachträglich etwas verändert werden, etwa bei der Modernisierung von technischen Installationen, ist dies bei Massivbauweise erheblich leichter auszuführen.

Gemauerte Wände sind an jeder Stelle gleichermaßen belastbar. Das heißt, ein schwerer Schrank kann überall aufgehängt werden. Bei einer Leichtbaufertigteilwand ist dies nur an vorgesehenen, entsprechend verstärkten Stellen möglich, oder es muss erst eine zusätzliche Unterkonstruktion von ausreichender Tragkraft geschaffen werden. Die Anlieferung und Errichtung von Fertigbauteilen kann problematisch sein, denn die naturgemäß sehr großen Bauteile können nur von riesigen Tiefladern angeliefert werden, die wie jeder Schwertransport nicht auf allen Straßen fahren können. Außerdem wird eine Aufstellfläche für einen ausreichend dimensionierten Kran benötigt, der die Wände auf die Baustelle heben kann.

massivbau

Jaruwan Jaiyangyuen/shutterstock.com

Ein weiterer Pluspunkt massiv gemauerter Wände besteht darin, dass das Material im Grunde keinen Abnutzungs- oder Alterungsprozessen unterworfen und deshalb dauerhafter ist. Das schlägt sich auch in der Wertentwicklung nieder. Ein 50 Jahre altes gemauertes Haus ist tatsächlich immer mehr wert als ein vergleichbares Fertighaus. Das Raumklima ist ein weiterer Unterschied. Häuser in Massivbauweise bestehen von innen betrachtet in der Regel aus dem Mauerstein und einer Putzschicht darauf. Beide Materialien können atmen. Bei einer Fertigteilwand befindet sich an dieser Stelle – grob vereinfacht – meist eine Trockenbauwandplatte auf einer luftundurchlässigen Folie.

Luftfeuchtigkeit, die schlicht durch das Bewohnen der Räume anfällt, kann hier nicht entweichen oder zwischengespeichert werden.

Wie entsteht ein Haus in Massivbauweise?

Jedes Bauvorhaben benötigt zuerst eine Planung, die vom zuständigen Bauamt genehmigt werden muss. Auch die statische Berechnung muss vorhanden sein. Die Bauausführung beginnt mit Erdarbeiten, bei denen ein Planum für die Bodenplatte und Gräben für die Fundamente hergestellt werden. Dann werden Fundamente und Bodenplatte aus Beton gegossen. Anschließend passiert zunächst gar nichts, denn der Beton muss etwa dreißig Tage trocknen und abbinden. Erst dann erreicht er seine volle Belastbarkeit. Diese Vorgehensweise bleibt immer gleich, egal ob massiv oder mit Fertigteilen gebaut werden soll.

Hier tritt nun ein Umstand ein, der auf den ersten Blick verblüffend wirken mag: Ab diesem Punkt kann Massivbauweise schneller tatsächlich gehen als die Aufstellung von Fertigteilen. Die Bodenplatte wird nämlich während ihrer Trocknungszeit nach und nach immer belastbarer. Das Aufstellen von Fertigbauteilen, die punktuell enorme Lasten auf die Bodenplatte bringen, ist nicht möglich, bevor der Beton komplett ausgehärtet ist. Das Mauern von Wänden, die langsam wachsen und ihre Last gleichmäßig auf ihre gesamte Grundfläche verteilen, kann schon früher beginnen. Der richtige Zeitpunkt hängt von der Beschaffenheit des Betons und den Witterungsbedingungen ab.

Verlaufen die Arbeiten optimal, kann der Rohbau eines typischen anderthalbgeschossigen Einfamilienhauses sogar etwas schneller fertig sein als einer aus Fertigwänden.

Mauersteine & Co.

Derartig kurze Bauzeiten lassen sich erreichen, wenn passendes Baumaterial verwendet wird. Gasbetonsteine, die auch mit dem Markennamen des bekanntesten Herstellers als sogenannte „Ytong-Steine“ bezeichnet werden, sind vergleichsweise leicht und schnell zu verarbeiten. Die Steine sind mit einem Nut- und Federsystem ausgerüstet, sodass sie ineinandergreifen. Dadurch gelingt die geradlinige Ausführung einer Wand einfacher. Sie können im Dünnbett geklebt werden. Das bedeutet, die Porenbetonsteine werden mit einem speziellen Mörtel, der nur dünn aufgetragen wird und schnell aushärtet, verbunden und aufeinander gestapelt. Das Auswiegen jedes einzelnen Steins in einem Mörtelbett ist daher nicht notwendig.

Ihr vergleichsweise geringes Eigengewicht bezogen auf die Grundfläche einer Wand ergibt sich aus ihrer Dichte. Die ist deshalb niedriger als die von Natursteinen, weil sie aus Beton und Luftblasen bestehen. Dadurch leidet die Festigkeit nicht, aber die Herstellungskosten verringern sich. Die Poren verbessern außerdem die Wärmedämmung, denn die kleinen Luftkammern in den Steinen sind nicht wärmeleitfähig. Das Prinzip, Mauersteine mit kleinen Luftkammern „aufzublasen“, machen sich auch andere Steinarten zu Nutze. Sogenannte Hohllochziegel bestehen aus Ton, der mit Lufteinschlüssen versehen ist. Hohllochziegel oder auch Steine aus Blähton sind beliebt bei Bauherren, die Wert darauf legen, mit natürlichen Materialien zu bauen.

haus massivbauweise

Dariusz Jarzabek/shutterstock.com

Hohllochziegel haben hervorragende Wärmedämmeigenschaften und erzeugen ein gesundes Raumklima. Ihr einziger Nachteil besteht darin, dass die größeren Luftkammern besondere Sorgfalt beim Herstellen von Schlitzen und Durchbrüchen verlangen, weil sie leicht ausbrechen können. Im späteren Gebrauch ist hier und da ein spezieller Dübel erforderlich, wenn etwas Schweres an der Wand befestigt werden soll. Wände, an die spezielle Anforderungen gestellt werden, lassen sich am besten aus Kalksandstein errichten. Kalksandsteine sind nicht unbedingt günstig, dafür aber unverwüstlich und belastbar.

Kellerwände, die Feuchtigkeit verkraften und die Last der anderen Gebäudewände tragen müssen, werden deshalb überwiegend aus Kalksandsteinen errichtet. Kalksandsteine sind als Mauersteine, die klassisch im Mörtelbett verlegt werden, und auch als Plansteine (mit geraden Kanten), die sich im Dünnbett kleben lassen, erhältlich.

Ist ein Massivbauhaus teuer?

Die Kosten für einen Bau setzen sich immer aus Material- und Lohnkosten zusammen. Bei Baukosten ist es prinzipiell so, dass der Lohnanteil immer der größere ist. Das ist auch bei Maurerarbeiten der Fall. Das bedeutet, ob ein Massivbau teuer oder günstig ist, entscheidet das regionale Lohnniveau am Ort der Baustelle. Ein direkter Vergleich der Baukosten zwischen Massiv- und Fertigteilbauweise kann daher an verschiedenen Orten unterschiedliche Ergebnisse haben. Die Kosten für ein Fertighaus sind eher gleichbleibend. Lediglich die Kosten für die Anlieferung können geringfügig differieren. Für ein Massivbauhaus fallen ortsunabhängig die gleichen Materialkosten an, die aber bezogen auf die Gesamtkosten nicht ausschlaggebend sind.

Daher ist ein Fertighaus nur dann günstiger, wenn das ortsabhängige Lohnniveau sehr hoch ist. Ist es eher niedrig und der Bauherr wählt eine Ausführung, die schnell und leicht fertigzustellen ist, ist ein Massivbau mit hoher Wahrscheinlichkeit günstiger.

Der Zeitfaktor beim Bau eines Hauses

Die Bauzeit eines Hauses ist auch ein Faktor für die Bemessung der gesamten Baukosten. Je länger die Zeit bis zur endgültigen Fertigstellung ist, umso mehr Nebenkosten fallen derweil an. Zinsen für die Finanzierung, insbesondere für eine teure Zwischenfinanzierung, schlagen ebenso zu Buche wie der Umstand, dass das Gebäude noch nicht genutzt werden kann – also entweder Mieteinnahmen fehlen oder der Bauherr selbst anderswo wohnen und vielleicht Miete zahlen muss. Deswegen erscheint vordergründig ein Fertigbau als perfekte Lösung. Betrachtet man aber die Einzelheiten genau, darf das bezweifelt werden. Es ist wie beschrieben bei kleineren Gebäuden durchaus möglich, ähnlich kurze Bauzeiten zu erreichen.

Neben der Herstellung der Bodenplatte erfolgen auch der Innenausbau und die Herstellung des Daches in gleicher Weise – völlig unabhängig davon, ob ein Massiv- oder Fertighaus gebaut wird. Ein Vergleich der Bauzeiten darf einen Umstand keineswegs außer Acht lassen: Die Lieferzeit eines Fertighauses. Es ist keineswegs so, dass ein Fertighaus sofort geliefert werden kann. Lieferzeiten von mehreren Monaten sind normal, leidgeprüfte Bauherren haben auch schon über ein Jahr warten müssen. In dieser Zeit wäre es ohne jeden Zweifel auch möglich gewesen, die Wände vor Ort aufmauern zu lassen.

Massivbau ist fast immer alternativlos

In der Gesamtschau ergibt sich, dass Massivbauweise oft die bessere und gelegentlich auch die einzige Wahl ist. Fertighausbauten sind nur in speziellen Einzelfällen vorzuziehen. Dies gilt hauptsächlich dann, wenn es um den Bau von Einfamilienhäusern geht. Bei Industriebauten oder landwirtschaftlich genutzten Gebäuden können einfache, in Modul- oder Leichtbauweise errichtete Bauten sowohl bei der Bauzeit als auch bei den Baukosten die günstigere Variante sein. Das setzt aber voraus, dass es sich um einfache Gebäude handelt, die eine gewisse Größe haben und an die keine Ansprüche in Bezug auf Komfort, Gestaltung und Werthaltigkeit gestellt werden.

Um einen Massivhausbau zu vertretbaren Kosten in optimaler Zeit zu realisieren, ist im Grunde nur eines nötig: Ein Bauunternehmen, das über eine gewisse Größe und ausreichende Erfahrung verfügt um sicherzustellen, dass keine unnötigen Verzögerungen entstehen. Eine gewisse Anzahl an Arbeitskräften sorgt dafür, dass auf wechselnde Anforderungen – z. B. infolge veränderter Wetterbedingungen – flexibel reagiert werden kann. Erfahrung ist nötig, um eine solide Bauablaufplanung zu erstellen, damit einzelne Arbeiten nicht nur zügig durchgeführt werden, sondern außerdem die Gewerke möglichst nahtlos ineinander übergreifend arbeiten können.

Wenn eine Baufirma von sich behauptet, Massivhäuser ebenso schnell und günstig errichten zu können wie ein Fertighausanbieter, kann das tatsächlich zutreffend sein.

Bildquelle Titelbild:

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